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Johanna Ambrosius

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Johanna Ambrosius  –  Die Heimatdichterin des ersten Ostpreußenliedes

In der letzten Zeit werden wir immer wieder nach den Lebensdaten von Johanna Ambrosius gefragt. Leider liegen auch uns nur die weithin bekannten Daten vor. Aber vielleicht trägt dieser Artikel dazu bei, mehr über diese Frau zu erfahren, die so bescheiden ihren Weg ging.
Geboren wurde Johanna Ambrosius 3. August 1854 im Dorf „Tischken“ bei Lengwethen, Kreis Tilsit, als Tochter eines Handwerkers. Sie war das zweite von 14 Kindern und wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf.

Die Dorfschule in Lengwethen besuchte sie wegen Krankheit ihrer Mutter nur bis zum 11. Lebensjahr. Doch Dank ihres Dorfschullehrers Kerner bekam sie auch nach ihrer Schulentlassung eine weitere Fortbildung.
Johanna musste trotz ihrer Jugend im Haushalt und auf dem Feld arbeiten. Sie sagte später einmal sie hätte oft geweint vor Sehnsucht nach Wissen. Der Vater von Johanna las viel, er gestattete seinen Kindern, nach getaner Arbeit die damals sehr beliebte „Gartenlaube“ zu lesen. Lange waren diese Geschichten ihre einzige Begegnung mit der Literatur. Die deutschen Klassiker entdeckte sie erst, nachdem ihre eigene Gedichtsammlung erschienen war.
Johanna hatte am 17. Mai 1871 in Klingsporn Kreis Ragnit den Bauernsohn Friedrich Wilhelm Voigt geheiratet. Mit einem kleinen Erbe erwarben die jungen Eheleute ein Häuschen mit Land in Groß-Wersmeninken und bewirtschafteten es. Zwei Kinder, Marie -1886- und Erich -1889- wurden dort dem Ehepaar geboren.
Heimlich übersandte die Schwester Martha, die von der Begabung Johannas überzeugt war, erste Gedichte an die Zeitschrift „Von Haus zu Haus“, die von der Herausgeberin, Frau Anny Wothe, auch veröffentlicht wurden.
Jetzt war der erste Schritt getan. Ende 1894 kam der Durchbruch: Karl Weiss-Schrattenthal, Literaturprofessor aus Pressburg, der sich zur Aufgabe gemacht hatte, „deutsche“ Frauenliteratur in die Öffentlichkeit zu bringen, förderte Johanna.
So erschien 1894 im Selbstverlag ihr erster Gedichtband unter ihrem Mädchennamen Johanna Ambrosius. Die Gedichtsammlung erlebte mit 45 Auflagen eine Stückzahl von mindestens 50 000. Der nächste Band mit Gedichten war nicht ganz so erfolgreich, – etwa 10 Auflagen – er erschien 1897.
Gute Kritiken im In- und Ausland trugen zu ihrem Erfolg bei. Der erste Band wurde sogar ins Englische übersetzt. Viele ihrer Gedichte wurden vertont, es heißt, dass mindestens 150 Vertonungen belegt sein sollen, aber es wurden auch viele Gedichte in andere Sprachen übernommen.
Die bekannteste Vertonung ist wohl die des ersten „Ostpreußenliedes“: „Sie sagen all, du bist nicht schön, mein trautes Heimatland“. Der Albrechtsdorfer Lehrer Karl Anton Guske (1863 -1929) hat die Verse als erster vertont, aber es folgten noch andere Vertonungen. Die älteren Leser werden sich erinnern, das Lied in der Schule gesungen zu haben. Von wem die abgebildeten Noten sind, können wir leider nicht sagen

Eine Influenza zerrüttete die Gesundheit der Dichterin, nur unter großen Schmerzen war sie imstande, ihre Arbeit als Landfrau zu bewältigen. Außer ihrer geliebten Heimat Ostpreußen hatte sie noch nichts von der Welt gesehen so gehörte zu ihren schönsten Erlebnissen eine Einladung nach Berlin, wo sie von der Kronprinzessin empfangen wurde Die Dichtung brachte für Johanna natürlich auch eine Verbesserung ihrer finanziellen Situation. Aber trotz ihres Erfolges blieb sie eine bescheidene Frau, sie trachtete nie nach Ruhm und Ehrungen und wollte nichts anderes sein als eine Landfrau. Zeit zum Dichten hatte sie nur am Sonntag oder bei der Feld- und Gartenarbeit. Auf Kommando schreiben konnte sie nicht, aber wenn es sie zu einem neuen Gedicht drängte, schrieb sie es ohne abzusetzen auf. Stückwerk lag ihr nicht, Nach dem Tode ihres Mannes zog Johanna Ambrosius nach Königsberg zu ihrem Sohn. Dort verstarb sie am 27.02.1939. Johanna Ambrosius war eine bedeutende Frau und sollte nicht vergessen werden.

Autor: Charlotte Gottschalk  Quelle : „Königsberger Bürgerbrief“ Nr. 59/2000 Seite 40 ff

 

Ich lass von meiner Heimat nicht,
Was man auch sagen wollt.
Sie hebt vor allen Landen sich
Heraus wie echtes Gold.
Lass blüh’n das Glück auch anderwärts
In reicher Farbenpracht,
Ich weiß, wie in der Heimat mir
Die Sonne nirgends lacht.

Ich lass von meiner Heimat nicht
Sie birgt mein Elternhaus,
Vor diesem stillen Heiligtum
Zieh ich die Schuhe aus.
Da ist ein jeder Ort geweiht,
Nichts Heil’gres gibt’s wie das,
Da wird auch ohne Priesterwort
Mein Äug von selber nass.

Ich lass von meiner Heimat nicht,
Was kommen will und mag,
Und bräche jählings auch herein
Heut schon der jüngste Tag.
Ich weiß, es wird die ganze Welt
Zu Staub und Rauch verweh’n,
Nur mein geliebtes Deutschland wird
Als Stern gen Himmel gehen.

Ich lass von meiner Heimat nicht,
Was kommen will und mag,
Und bräche jählings auch herein
Heut schon der jüngste Tag.
Ich weiß, es wird die ganze Welt
Zu Staub und Rauch verweh’n,
Nur mein geliebtes Deutschland wird
Als Stern gen Himmel gehen.

Johanna Ambrosius

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter www.johannaambrosius.de

© Kreisgemeinschaft Tilsit-Ragnit e.V.
verfaßt am 14.01.2002
letzte Änderung dieser Seite : Montag, 10.06.2019