Ingolf Koehler ist verstorben –
Ein Leben für Tilsit.

Unser langjähriges und verdienstvolles Mitglied, Herr Ingolf Koehler, ist am 12. Februar 2024 im Alter von 95 Jahren in seinem Wohnort Heikendorf verstorben.

Ein Nachruf von Bernd Polte und Uwe Jörg Schmickt

Wir gedenken eines Tilsiters, der über 70 Jahre durch sein unermüdliches Wirken für Ostpreußen und Tilsit wesentlich dazu beigetragen hat, dass die Erinnerung an seine Heimatstadt für immer bewahrt bleibt.

Ingolf Koehler wurde am 11.02.1929 in Ragnit geboren, seine Familie zog 1937 nach Tilsit in die Clausiusstraße 31. Sein Vater war in Tilsit beim Katasteramt beschäftigt. Hier in Tilsit wuchs Ingolf auf, war stets neugierig und lernte alle Winkel der Stadt an der Memel kennen. Seine detaillierten Kenntnisse der Stadt Tilsit haben Heimatfreunde an Ingolf Koehler immer wieder beeindruckt. Er besuchte die Neustädtische Schule und später die Herzog-Albrecht-Schule.

Weiterer Werdegang
1945 flüchtete Ingolf Koehler mit einem Minensuchboot aus der Heimat nach Danzig und gelangte von hier in das zerstörte Hamburg. In der Hansestadt schloss er die Schule mit der Reifeprüfung ab, erlernte drei Jahre lang den Beruf des Maurers und beendete 1954 sein Studium als Hochbauingenieur. Seine neue Arbeitsstätte war das Bauamt der Stadt Kiel, wo er von 1954 bis zur Pensionierung 1991, zuletzt als Bauoberamtsrat, tätig war. Er heiratete und hatte mit seiner Frau einen Sohn, der Diplompsychologe wurde und eine Tochter, die als Architektin in die Fußstapfen des Vaters trat.

Ingolf Koehler im Gespräch
Ingolf Koehler im Gespräch mit der Kunsthistorikerin Tatjana Urupina und dem Fotokünstler Jakov Rosenblum in Kiel, 2004.

Frühes Engagement für Ostpreußen und Tilsit
Schon mit 19 Jahren trat er in Hamburg-Bergedorf in die Landsmannschaft Ostpreußen ein und wurde Mitbegründer der „Ostpreußischen Jugend“. 65 Jahre war Ingolf Koehler in vielen Funktionen in den Gemeinschaften seiner ostpreußischen Heimat tätig. So von 1954-1969 in der „Ostpreußen Hilfsgemeinschaft“ in Kiel. Seit Beginn der 1960er Jahre engagierte er sich in der Stadtgemeinschaft seiner Heimatstadt Tilsit.

Ingolf Koehler und der Tilsiter Rundbrief
1971 hat er den „TILSITER RUNDBRIEF“ ins Leben gerufen. Von 1971-2010 war Ingolf Koehler der Schriftleiter des „Tilsiter Rundbriefes“, verantwortete 40 Ausgaben mit einem Gesamtumfang von über 5.000 Seiten und schrieb mehr als 200 Artikel zu überwiegend heimatbezogenen Themen über Tilsit, Berichten über verdienstvolle Mitglieder der Gemeinschaft, zu Tilsiter Betrieben und Institutionen, sowie über historische Ereignisse.

Im Zeitraum von 1971 bis 2011 entwickelte sich der Tilsiter Rundbrief von anfangs 28 Seiten und einer Auflage von 2.200 Exemplaren auf zeitweise 200 Seiten und 7.000 Exemplare pro Ausgabe.

Schriftleiter-Seminare und weitere Publikationen
Darüber hinaus initiierte und organisierte er die jährlichen Seminare der Schriftleiter der ostpreußischen Heimatbriefe in der damaligen Bildungsstätte der Landsmannschaft Ostpreußen e.V., dem „Ostheim“ in Bad Pyrmont. Ingolf Koehler hat sich auch durch seine weiteren Publikationen um die Stadt Tilsit verdient gemacht.

Drei Bildbände: „Tilsit - wie es war", „Altes und neues aus Tilsit“, „Tilsit auf alten Postkarten“
Ingolf Koehler hat in mehreren Bildbänden („Tilsit – wie es war”, „Altes und neues aus Tilsit“, „Tilsit auf alten Postkarten“), teils in Zusammenarbeit mit Peter Joost und Horst Mertineit, die Geschichte und historischen Bilder der Stadt vergegenwärtigt und im Gedächtnis der nachfolgenden Generationen verankert.

Ingolf Koehler und die Stadtgemeinschaft Tilsit
Ungezählt sind die Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die Ingolf Koehler für die Stadtgemeinschaft Tilsit geleistet, bzw. nach seinem Selbstverständnis für Tilsit gewidmet hat. Nicht nur als Schriftleiter, sondern auch als Mitglied der Stadtvertretung, als Vorstandsmitglied, zeitweise auch als Schatzmeister und Geschäftsführer. In den 26 Jahren mit dem 1. Vorsitzenden Horst Mertineit war Ingolf Koehler lange Zeit dessen Stellvertreter im Amt des 2. Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft.
Von allen anerkannt war er als der Macher im Hintergrund, verantwortlich auch für den Aufbau und die Verwaltung des Tilsiter Archivs und als Vortragsreisender mit Tilsiter Diaserien in vielen Städten unterwegs. Darüber hinaus organisierte Ingolf Koehler, nach der Öffnung des Kaliningrader Gebietes für Heimatbesuche nach 1991, über 50 Flug- und Busreisen nach Tilsit und war dabei auch mehrfach als Reiseleiter tätig.

Altars aus der Tilsiter Deutschordenskirche in der Stadtkirche zu Bartoszyce (Bartenstein)
Seitens der Stadtgemeinschaft wirkte Ingolf Koehler auch an der Rettung des Altars aus der Tilsiter Deutschordenskirche mit, der nach aufwendiger Rekonstruktion anhand historischer Fotos und der Restaurierung beschädigter, verstreuter Einzelteile 1990 in der Stadtkirche zu Bartoszyce (Bartenstein) wieder errichtet wurde.

Weitere Projekte und Ehrungen
Weitere Verdienste erwarb sich Ingolf Koehler durch seine Arbeit zur Bewahrung von Erinnerungsstätten des alten Tilsit. Er beteiligte sich aktiv an der Schaffung einer würdigen Gedenkstätte für die Tilsiter Bombenopfer und gefallenen Soldaten auf dem Tilsiter Waldfriedhof. Gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen knüpfte Ingolf Koehler erste Kontakte zur Administration von Sovetsk und schuf eine Atmosphäre partnerschaftlicher Beziehungen zu den heutigen Bewohnern seiner Heimatstadt. Auch die Städtepartnerschaft zwischen Kiel und Sovetsk ist seinen Aktivitäten zu verdanken. Für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement erhielt Ingolf Koehler zahlreiche Auszeichnungen. So die „Ehrennadel der Landsmannschaft Ostpreußen“ in Silber und Gold, die „Bismarck-Gedenkmedaille“ in Silber und von der Stadtgemeinschaft den „Tilsiter Elch“ mit Widmung.

Übergabe an die nachfolgende Generation
Letztmalig besuchte er 2010 sein geliebtes Tilsit und übergab auch die Schriftleitung in jüngere Hände. Noch einige Jahre war Ingolf Koehler als Stadtvertreter aktiv und gab seine reichen Erfahrungen in der organisatorischen und inhaltlichen Heimatarbeit weiter. In den letzten Jahren seines Lebens war er gesundheitlich in seinen Aktivitäten begrenzt und konnte nicht mehr aktiv an den Veranstaltungen unserer Stadtgemeinschaft teilnehmen. Über den Heimatbrief verfolgte er noch mit Interesse die Arbeit unserer Gemeinschaft und die aktuellen Ereignisse im ehemaligen Ostpreußen und in Sovetsk/Tilsit.

TILSIT DANKT!

An Feiertagen hisste Ingolf Koehler am Fahnenmast vor seinem Haus in Heikendorf an der Kieler Förde die Fahne seiner geliebten Heimatstadt Tilsit. Für uns weht sie nun, nachdem er einen Tag nach seinem 95. Geburtstag, am 12.02.2024 verstorben ist, in Gedanken auf Halbmast.
Traueranzeige für Ingolf Koehler
Traueranzeige für Ingolf Koehler in der ‘Preußische Allgemeine Zeitung’.

Unsere aufrichtige und tief empfundene Anteilnahme gilt seiner Familie, insbesondere seiner Tochter Dagmar. Wir gedenken eines treuen ostpreußischen Heimatfreundes, eines Tilsiters, der über 70 Jahre die Erinnerung an seine Heimatstadt durch sein Wirken bewahrte und seine Kraft für den Erhalt der Gemeinschaft einsetzte. Der Vorstand und die Stadtgemeinschaft Tilsit werden das Andenken von Ingolf Koehler in Ehren halten und in seinem Sinne weiter für Tilsit arbeiten.

Uwe Jörg Schmickt, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V.

Bernd Polte, Stadtgemeinschaft Tilsit e.V.
Mitgliederbetreuung | Familienforschung | Heimatbrief

Ein Kommentar

  1. Sehr geehrte Damen und Herren , ich möchte hiermit auch meine Anteilnahme aussprechen. Ich bin 1943 in Ragnit/Tilsit geboren und durch ihren Artikel ist wieder mein Interesse an meiner Heimat geweckt worden. Leider lebt niemand meiner Verwandten, die von der Zeit berichten könnten, mehr. Meiner Erinnerung nach stammte mein Vater aus Gumbinnen und meine Groß- bzw. Urgroßeltern sollen im Bereich Ragnit größere Bauernhöfe bzw. Ländereien gehabt haben. Können Sie mir sagen, wie ich an Geschichts- bzw- Landschaftsunterlagen über Ragnit und Tilsit an der Memel bekommen kann. Vorab danke. Werner Davideit
    Straße 604 Haus Nr. 5, 12355 Berlin 01786126418

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