Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien ein frohes und gesegnetes Osterfest sowie schöne Frühlingstage.
Ostern steht für Neubeginn, Hoffnung und Zuversicht – Werte, die auch unsere Gemeinschaft tragen. Die Erinnerung an Tilsit und die damit verbundene Geschichte lebt im Austausch zwischen den Generationen weiter – bewahrt auch durch die Berichte unserer Zeitzeuginnen und Zeitzeugen.
„Der Hof meines Vaters lag am Ende der Grünwalder Straße, an der Smalupp in Bendiglauken, unmittelbar an der Stadtgrenze zu Tilsit. Es muss 1935 gewesen sein, als mein Vater einen Kutscher aus Tilsit-Übermemel auf unserem Hof beschäftigte. Dieser war noch recht jung und kannte die Osterbräuche, die man in Ostpreußen pflegte. Ich war erst 5 Jahre alt und in dieser Nacht vor Ostern schlief ich ausnahmsweise in der Kutscherkammer. Der Kutscher hatte alles mit mir besprochen… „Morgen gehen wir Schmackostern!“ Pünktlich vor Sonnenaufgang weckte er mich, denn vor Sonnenaufgang musste unbedingt fließendes Wasser geschöpft werden – damit es Glück bringt und die Wünsche in Erfüllung gehen! Wir gingen also hinunter zur Smalupp, gleich neben der Brücke nach Schilleningken. Dort war es einigermaßen flach und wir konnten aus dem fließenden Wasser einen ganzen Eimer voll schöpfen.
Barfuß liefen wir mit dem schweren Wassereimer durch unsere Rossgärten zurück und holten die Birkenreiser hervor, die wir schon vorbereitet hatten. Zwei bis drei frisch geschnittene, besenartige Zweige von Birkenreisig hatten wir vor allen anderen versteckt. Unser Kutscher Alfred gab nun das Kommando… „jetzt nehmen wir den Eimer mit Wasser und unsere Birkenreiser, gehen ins Haus und wecken die Leute in ihren Betten!“
Mit „Juchhei“ ging es in die Schlafstuben… eifrig wurden die Bettdecken der noch Schlafenden hochgerissen! Schnell mit den ins kalte Wasser getauchten Birkenreisern zuerst auf die Füße geschlagen, wenn möglich auch noch auf den Hintern! Begleitet von unserem Spruch:
„Oster Schmackoster,
Vier Eier, Stück Speck,
vom Kuchen ‘ne Eck,
Sonst gehn wir nicht weg!“
Schnell war das ganze Haus wach, bei allen Geschwistern und den Eltern war die Überraschung und die Freude groß. Das restliche Wasser wurde zum Waschen des Gesichts verwendet, denn das sollte der Schönheit zuträglich sein… aber nur, wenn man fest daran glaubt. Anschließend gab es ein reichhaltiges Frühstück mit selbstgebackenem Weißbrot und leckerem Kuchen. So war es damals zu Ostern“.
Zeitzeugenbericht: Heinz Schmickt
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