Tilsit Stadt und Land

Industrie und Handwerk in Tilsit

Ausschlaggebend für die industrielle und die Handwerkliche Entwicklung Tilsits war die die ausgesprochen günstige Verkehrslage. Hier kreuzten sich der Landweg von Süd nach Nord, von Mittel- und Ostdeutschland zum Baltikum und Rußland und der Memelstrom, ein Handelsweg von der Ostsee in die Tiefen der russischen Westgebiete. Auch die Brückenlage spielte dabei eine Rolle. Zwischen den diluvialen Höhen im Osten und der versumpften Memelniederung im Westen war nur ein kleiner Abschnitt der Memel geeignet für einen Brückenschlag.

Dieser Brückenschlag begünstigte den Handel, das Handwerk und in der weiteren Folge die Entwicklung der Industrie. Die Wälder Rußlands boten einen unerschöpflich fließenden Zustrom von Holz.

Sägewerke, Zellstoffindustrie, Tischlerei und Zimmerei entwickelten sich. Essigfabrik, Zuckerfabrik, Eisengießerei und weitere Industriebetriebe prägten das tilsiter Hafen- und Industrieviertel. Die von der Natur zugewiesene Brennpunktlage begünstigte die kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. Tilsit mußte aber auch mit Grenzlagen fertig werden, die das wirtschaftliche Leben gefährdeten. Ein geistig reges, liberales, fortschrittliches Bügertum verstand auch in solchen Gegebenheiten Handel und Industrie anzupassen und zu entwickeln.