Die Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. trauert um ihr früheres Vorstandsmitglied, ihren ehemaligen Vorsitzenden und langjährigen Stadtvertreter Erwin Feige, der am 26. Juni 2026 im Alter von 91 Jahren in Chemnitz verstorben ist.
Von September 2018 bis Mai 2023 stand er als 1. Vorsitzender an der Spitze der Stadtgemeinschaft Tilsit. Über drei Jahrzehnte setzte er sich für die Bewahrung der Erinnerung an seine Heimatstadt Tilsit ein.

Geboren in Tilsit am 17. März 1935
Erwin Feige wurde am 17. März 1935 in der Sommerstraße 27 in Tilsit geboren. Sein Elternhaus befand sich im sogenannten „Feuerwehrblock“; sein Vater Walter Feige war Schneider und Berufsfeuerwehrmann. Erwin besuchte die Neustädtische Schule in Tilsit. Nach schweren Bombenangriffen auf die Stadt wurde seine Familie am 7. Oktober 1944 mit der Eisenbahn nach Mitteldeutschland evakuiert. Gemeinsam mit seiner Mutter und den Geschwistern erlebte der Neunjährige das Ende des Krieges und die schwierigen Nachkriegsjahre zunächst in Lichtenwalde bei Chemnitz und später in Thüringen.
Sein Lebensweg in Chemnitz
1953 legte Erwin Feige an der Oberschule in Weida sein Abitur ab. Noch im selben Jahr begann er an der neu gegründeten Hochschule für Maschinenbau in Karl-Marx-Stadt ein Studium, das er 1959 als Diplom-Ingenieur abschloss. Sein Berufsleben war eng mit dem Textilmaschinenbau verbunden; rund zwei Jahrzehnte war er in diesem Bereich in leitender Verantwortung tätig, unter anderem als Betriebsdirektor. Nach der Wende übernahm er eine Tätigkeit als Referent für Vertragsmanagement bei der Treuhandanstalt Chemnitz.
Mit seinem langjährigen ehrenamtlichen Wirken in der Stadtgemeinschaft Tilsit trug Erwin Feige zur Bewahrung der Erinnerung an seine Heimatstadt Tilsit bei.
Nach der deutschen Wiedervereinigung suchte Erwin Feige früh den Kontakt zu seiner ostpreußischen Heimat. Seit 1992 nahm er an Ostpreußentreffen und an den Veranstaltungen der Stadtgemeinschaft Tilsit teil. Im selben Jahr reiste er erstmals wieder in seine Geburtsstadt Tilsit und in das nördliche Ostpreußen, wo er die Herkunftsorte seiner Eltern und Großeltern in Rautengrund und Großwingen aufsuchte. Rund zehn weitere Reisen führten ihn später erneut in die Heimat.
Schulsprecher der „Neustädtische Schule Tilsit“
Ein besonderer Schwerpunkt seines Wirkens war die Schulgemeinschaft „Neustädtische Schule Tilsit“, in der er sich seit 1994 engagierte. 2002 übernahm er das Amt des Schulsprechers. Er hielt den Kontakt zu ehemaligen Schülerinnen und Schülern, organisierte Jahrestreffen und Reisen. Erwin Feige setzte sich stets dafür ein, versöhnliche Brückenschläge zwischen der früheren und heutigen Einwohnerschaft der Stadt Tilsit, dem heutigen Sovetsk auszubauen und zu festigen.
Stationen seines Wirkens
Über die Schulgemeinschaft fand er den Weg in die verantwortliche Arbeit der Stadtgemeinschaft Tilsit. Er gehörte der Stadtvertretung und dem Vorstand an, war von 2007 bis 2008 stellvertretender Vorsitzender und seit 2011 erneut als Beirat im Vorstand tätig. Bei Sitzungen und Heimattreffen übernahm er zahlreiche organisatorische Aufgaben. Federführend bereitete er unter anderem das gemeinsame Heimattreffen der Stadtgemeinschaft Tilsit mit den Kreisgemeinschaften Tilsit-Ragnit und Elchniederung im April 2012 in Halle an der Saale vor. Zu den herausragenden Stationen seines Wirkens gehörte die Wiedereinweihung des Königin-Luise-Denkmals im Tilsiter Park Jakobsruh am 6. Juli 2014. Erwin Feige vertrat die Stadtgemeinschaft bei der feierlichen Zeremonie und übergab symbolisch die von ehemaligen Tilsiterinnen und Tilsitern geleistete Spende für die Wiedererrichtung des Denkmals.

Verantwortung als Vorsitzender
Nachdem der damalige Vorsitzende im September 2018 sein Amt niedergelegt hatte, erklärte sich Erwin Feige im Alter von 83 Jahren bereit, während der Übergangsphase Verantwortung zu übernehmen. Bis zum 18. Mai 2023 führte er die Stadtgemeinschaft Tilsit vier Jahre und acht Monate. In seine Amtszeit fielen mehrere Vorhaben von bleibender Bedeutung. Gemeinsam mit dem Nachlassverwalter Heinrich Lohmann setzte er sich dafür ein, das Vermächtnis der 2020 verstorbenen Tilsiterin Anne Schiborr für die Stadtgemeinschaft zu sichern. Damit wurde eine wichtige Grundlage für die Erinnerungsarbeit der Stadtgemeinschaft Tilsit geschaffen, die unter anderem die Herausgabe der Buchpublikation ‚Tilsiter Dominanten‘ in deutscher Sprache ermöglichte. Ein Anliegen war ihm auch die Bewahrung der seit Jahrzehnten im Freilichtmuseum Molfsee eingelagerten Tilsiter Exponate.
Gemeinschaft der „53er“
Auch außerhalb der Stadtgemeinschaft blieb Erwin Feige in Chemnitz der ostpreußischen Heimatarbeit verbunden. Viel bedeutete ihm außerdem die Gemeinschaft der „53er“, der ersten Studierenden an der damaligen Hochschule für Maschinenbau in Karl-Marx-Stadt. Er gehörte zu den Mitinitiatoren und langjährigen Organisatoren ihrer jährlichen Jubiläumstreffen.
Wir danken Erwin Feige für seinen langjährigen und verdienstvollen Einsatz, für seine organisatorische Arbeit und für die wertvollen Impulse, die er der Stadtgemeinschaft Tilsit gegeben hat. Unsere aufrichtige Anteilnahme gilt seiner Familie und seinen Angehörigen.
Der Vorstand und die Stadtvertretung der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. werden Erwin Feige ein ehrendes Andenken bewahren.
Uwe Jörg Schmickt, 1. Vorsitzender
der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V.
Schreibe einen Kommentar