Tilsit Stadt und Land

Tilsiter Personen und Persönlichkeiten

 

Horst Mertineit zum 100. Geburtstag

Geboren in Tilsit, Ehrenbürger der Stadt Sovjetsk – seiner Heimatstadt
Horst Mertineit ist ein „echter Tilsiter Jung„, wie Ingolf Koehler, der langjährige Schriftführer des „TILSITER RUNDBRIEF“, im Heft 29 (1999/2000) aus Anlass des 80ten Geburtstags des damaligen Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. schrieb.

Mertineit am Hohen Tor
ID097008-Tilsit_Sovetsk_Am_Hohen_Tor_Horst_Mertineit_Ehrenbuerger_der_Stadt_Sowetsk_2007_QU316_SCAN_RET; freigegeben aus dem Bildarchiv Ostpreußen lt. GF der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V., Manfred Urbschat.

Jugend und Krieg
Tilsit war Horst Mertineits Geburtsstadt, die Stadt ohne Gleichen. Hier wurde er vor 100 Jahren,
am 11. September 1919 geboren. Ruhe war nicht sein Ansinnen. Oft lachte er über sich selbst, wenn er sich an seine knatternden Erlebnisse als junger Motorradsportler auf seiner NSU-Quick durch Tilsiter Straßen erinnerte. Lachend konnte er unzählige Schülergeschichten aus seiner Tilsiter Herzog-Albrecht-Schule berichten oder von seiner Lehrzeit bei der Kreissparkasse Tilsit-Ragnit. Dabei war sein Lebensweg alles andere als einfach.
Früh kam der Ernst des Lebens: 1940 zur Wehrmacht einberufen, erlitt er fünf schwere Kriegsverwundungen und dann die Rettung auf seiner „Seereise 1945 von Danzig nach Kiel“ (wie er selbstironisch, zugleich sarkastisch in dem 38. TILSITER RUNDBRIEF 2008/2009, S. 91-93, berichtete). Er entging mehrfach dem nahen Tod, ob auf dem „Rettungsschiff“, das mit weggeschossenem Heck durch die Ostsee tuckern musste oder durch einen mutmachenden Marinearzt, der ihn in Kiel überzeugte, den durch Splitter schwer verletzten rechten Arm nicht zu amputieren, sondern ihn zu erhalten, allerdings mit einer ‚OP ohne Betäubung‘ (Betäubungsmittel gab es nicht mehr).
Bevor jedoch das amputierte Boot den rettenden Ostseehafen Kiel erreichen konnte, begab sich im Liegeplatz Danzig eine „Episode“, wie es Horst Mertineit nannte: „Es nähert sich ein Motorboot, voll mit feldgrauen Landsern, die an Bord wollten. Sie wurden (wie viele vorher schon) abgewiesen. Ich gestehe es, ich konnte mein Augenwasser nicht genügend zurückhalten. Erst nach dem Krieg, als mein Vater aus der russischen Gefangenschaft zurückkehrte, stellte sich heraus, dass er auf dem Motorboot war, und er ahnte nicht, dass oben sein Sohn stand. Wir haben sehr lange danach geschwiegen. Ich vermeide jeden Zusatzkommentar …“ (Zitat aus o.g. „Seereise“).
„Nach Tilsit gab es (zunächst) kein Zurück. In Schleswig-Holstein schlug sich der Heimatlose als Gelegenheitsarbeiter durch. 1953 heiratete er die Tilsiterin Hannelore Schnoewitz und zog bald darauf nach Kiel, wo er in der freien Wohnungswirtschaft tätig wurde. Ehrenamtlich wirkte er in der Tilsiter Stadtvertretung, die ihn im Jahre 1982 nach dem Tod von Bruno Lemke zum 1. Vorsitzenden wählte.“ (Dzieran, Hans: „Abschied von Horst Mertineit“ zu dessen Tod am 15. Mai 2013 in „Land an der Memel/TILSITER RUNDBRIEF“ 93/2013).
Schultreffen waren für die vertriebenen Tilsiter eine erste Möglichkeit, sich wieder zu sammeln, Adressen auszutauschen, sich beim mühevollen Aufbau einer neuen Existenz gegenseitig zu helfen. Freilich waren solche Treffen nur im Westteil Deutschlands möglich. Im Bewusstsein der ehrenvollen Erinnerung an die Schule, den Zusammenhalt aller ehemaligen Schüler und Lehrer stellte sich Horst Mertineit bei einem der ersten Nachkriegs-Schultreffen als Ansprechpartner für die „Ehemaligen“ der Herzog-Albrecht-Schule Tilsit (HAT) zur Verfügung. Er war ja schließlich auch ihr Absolvent.

1990: Tilsit schien nicht mehr auf einem anderen Planeten zu sein!
Die Wende kam; das scheinbar Unmögliche wird vielleicht möglich?
In seinem Vorwort zum TILSITER RUNDBRIEF  Nr. 20 (1990/91) begrüßt Horst Mertineit die aus den Neuen Bundesländern zur Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. hinzugekommenen Landsleute.  Viele neue Herausforderungen waren zu bewältigen: Die explosionsartige Zunahme der Korrespondenz, der Wunsch der Einwohner der Stadt Sovjetsk nach einem gemeinsamen Aufbau des dortigen Stadtmuseums, erste, freilich individuelle, noch illegale Reisen nach Tilsit, meist vom sowjetisch-litauischen Memel/Klaipeda aus, die radikale Erhöhung der Auflage des Heimatbriefes, aber auch die Mahnung, dass die Vertriebenenorganisationen insgesamt und natürlich die Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. sich niemals den Schuh der Revanche oder des Revanchismus angezogen haben, wie das nicht nur die kommunistischen Regierungen im Osten Europas, sondern leider auch mancher Politiker in der alten Bundesrepublik in den Jahren vor der Vereinigung beider deutscher Staaten wider besseren Wissens als Vorwurf und Anbiederung unterstellten.
Horst Mertineit-Tilsit hat deshalb unmissverständlich in diesem Heimatbrief Nr. 20 den vollen Wortlaut der Stuttgarter Charta der Vertriebenen vom 05. August 1950 abgedruckt, in dem betont werden der Verzicht auf Rache und Vergeltung, der Wiederaufbau Deutschlands und das Streben nach einem Europa, in dem die Völker ohne Furcht und Zwang leben können.
Dass diese Charta der Vertriebenen visionär, zukunftsweisend und tragfähig war und sich jetzt 40 Jahre später – mit der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, mit Glasnostj und Perestrojka in der UdSSR und der Formung eines neuen Europas – in Realität zu wandeln schien, trieb Horst Mertineit an. Aus „zaghaften Tasten und Versuchen auf beiden Seiten“ formulierte er für sich und die Stadtgemeinschaft Tilsit: Mit „Ehrlichkeit, aufrichtig gutem Willen“ und dem Wissen, dass in der Stadt Tilsit, die heute Sovjetsk heißt, Menschen bereits in der 2. Generation wohnen und dort ihre Heimat sehen, werden wir auf sie zugehen und Verständigung der geschundenen Völker praktizieren. Das war fortan sein Streben und sein Vermächtnis.
Schon im Januar 1991 ließ sich Horst Mertineit (er war immerhin im 72ten Lebensjahr) nicht nehmen, in seine Geburtsstadt, die nunmehr Sovjetsk heißt, zu fahren, ganz offiziell, ganz legal, vor allem, mit der Absicht, Stadt, Verwaltung, Einwohner und das Gesicht der Stadt an der Memel zu sehen, mehr noch, zum ersten Mal in seiner Eigenschaft als Leiter der Delegation der Stadtgemeinschaft „Tilsit“ (e.V.) im nunmehr doppelten Sinne zu er- und begreifen.
Es war die ausdrückliche Absicht, die städtische Administration, Krankenhäuser, Internate, Waisenhäuser und die einfachen Leute auf der Straße mit Aufgeschlossenheit, Ehrlichkeit, Überzeugung eines guten Neuanfangs zu besuchen und deutlich zu machen, dass sein Aufenthalt weder für ihn persönlich noch für die von ihm vertretene Stadtgemeinschaft der aus Tilsit Vertriebenen eine Eintagsfliege, sondern auf Dauerhaftigkeit angelegt ist.
In den folgenden Jahren besuchte Horst Mertineit seine Geburtsstadt Tilsit immer wieder. Einerseits standen Wohltätigkeitsziele für Pflege- und Bildungseinrichtungen im Vordergrund. Andererseits galt seine ehrenamtliche Tätigkeit als Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. dem Aufbau und der Pflege guter Kontakte zur Administration der Stadt. Beide Aktivitäten ergänzten sich in seinem Verständnis des Neuanfangs und auf der Grundlage der Charta der Vertriebenen, sowohl in der Bevölkerung als auch in den Augen der Vertreter der Stadtverwaltung. Horst Mertineit wurde in Sovjetsk bekannt, sein Engagement gewürdigt, seine Anwesenheit dort sehr gerne aufgenommen.
Unvergesslich sind Horst Mertineits sichtbare Erfolge: Er gilt insbesondere als Initiator und Mitwirkender bei den Restaurierungsarbeiten an der Gedenkstätte „Waldfriedhof“, bei der Aktion „Rückkehr des Elches“ nach Tilsit und – bis heute wirksam – bei der Gründung der Städtepartnerschaft zwischen Sovjetsk, dem ehemaligen Tilsit, und Kiel, der Patengemeinde der aus Tilsit Vertriebenen, der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V.

Waldfriedhof Erinnerungsstein
„Die Neugestaltung des Waldfriedhofes war eine Idee von Herrn Horst Mertineit, Stadtgemeinschaft Tilsit in Kiel. Sie wurde ausgeführt und unterstützt von: Gennadij Entis. aus Riga, Natalie Ponomarjowa. aus Sowjetsk, Herbert Lettko. aus Mainz, Heribert Schmitt. aus Ober-Olm, Peter Kief. aus Rasstatt. Arhitekt des Projektes. Nikolaj Rjabov aus Sovjetsk.“ (Inschrift des Erinnerungssteins zur Eröffnung der Gedenkstätte Waldfriedhof am 30. Juni 2006; Syntax unverändert übernommen). Foto: Prof. Günter H. Hertel am 08.07.2007.
„Während des Zweiten Weltkriegs sind im [heutigen] nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens etwa 50.000 deutsche Soldaten gefallen. Bereits im Ersten Weltkrieg wurden 514 deutsche und 486 russische Gefallene auf dem Waldfriedhof von Tilsit, dem heutigen Sovetsk, beigesetzt. Weitere 800 Kriegstote des Zweiten Weltkrieges erhielten hier ihre letzte Ruhestätte“ (Inschrift auf Eingangstafel der Deutschen Kriegsgräberstätte in Sovjetsk). Foto: Prof. Günter H. Hertel am 08.07.2007.
Eingangstafel
„Die Soldatengräber sind die großen Prediger des Friedens“ (Albert Schweitzer) – so eröffnet der Text der Eingangstafel des Tilsiter Waldfriedhofs die Gedenkstätte für deutsche, russische und Soldaten weiterer Nationen das Gedenken (Foto: Prof. Günter H. Hertel am 08.Juli 2007)

Gründung von Tilsit im Thurgau
Am Schweizer Nationalfeiertag des Jahres 2007 fand die „Gründung von Tilsit“ auf dem Holzhof in Bissegg im Schweizer Thurgau genau dort statt, wo der erste Schweizer Tilsiter entstand. Im ostpreußischen Tilsit habe Landwirt und Käser Otto Wartmann den Tilsiter Käse kennengelernt. Nach seiner Rückkehr stellte er 1893 in seinem Betrieb, dem Holzhof in Bissegg TG, den ersten Tilsiter her. Horst Mertineit, Vorsitzender der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V., lies es sich gemeinsam mit Jakow Rosenblum aus dem Rußländischen Sovjetsk nicht nehmen, an der Neu-Gründung der Käserei Tilsit in der Schweiz teilzunehmen. „Er überbrachte als Gastgeschenk den Bronzenen Elch (Symbol von Ostpreußen/Tilsit) und eine Tilsit-Fahne. Im Anschluss an die Unterzeichnung der Gründungsurkunde wurden Tilsit-Straßentafeln gesetzt.“
(Aus „Thurgauer Bauer“, 32(2007),
in http://www.vtgl.ch/thurgauer-bauer/archiv/gruendung-von-tilsit-im-thurgau-1059.html)

Ehrenbürger
Nicht nur, dass Horst Mertineit dem Schauspieler, Musiklehrer, Buchautor und Maler Armin Mueller-Stahl als Ehrenbürger der Stadt Sovjetsk vorausgegangen ist, sondern beide hatten sich auch ganz besonders zum Zwecke eines Films „Das Leben ist kein Film. Von Tilsit nach Hollywood“ (Arbeitstitel) in der damaligen Geschäftsstelle der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. in Kiel mit dem WDR-TV-Regisseur Eberhard Görner getroffen. Das großformatige Foto der Luisenbrücke, die die „Stadt ohne Gleichen“ (wie sie der Königsberger Regierungs- und Schulrat Bock nannte) beiderseits des Memel-Stroms verband, zog beide späteren Ehrenbürger in ihren Bann, wie Horst Mertineit-Tilsit in seinem Bericht erwähnt. (TILSITER RUNDBRIEF Nr. 31, 2001/2002)

Die russische Administration würdigte Horst Mertineits Engagement für die Tragfähigkeit der Städtepartnerschaft in ihrer Beratung über eine Auszeichnung im Jahre 2008 u.a.: „Seit 1992 haben mehr als 80 Einwohner der Stadt Sovjetsk auf Einladung der Kieler Verwaltung und der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. die Partnerstadt Kiel besucht – Angestellte der Sovjetsker Stadtverwaltung, Vertreter von Institutionen und der Öffentlichkeit, Künstler und Sportler.“
Besonders wichtig war Horst Mertineit dieser Satz aus dem Begleitbrief des Bürgermeisters Smielgin zur Ehrenbürger-Urkunde: „… viel tun … für unsere Stadt, deren vollberechtigter Bürger Sie waren und all die Jahre sind.“ (Mertineits Zitat im
TILSITER RUNDBRIEF Nr. 38/2008/2009. S. 184).

Unter der Nr. 622 des Vorsitzenden des Bezirksrates der Abgeordneten der
Stadt Sovjetsk, T. N. Sedych, wird am 27. August 2008 der Beschluss
unter dem Oberbürgermeister der Stadt Sovjetsk, V. E. Smielgin,
gefasst (Ehrenbuch „Ehrenbürger der Stadt Sovjetsk“):

„B E S C H L U S S:

Für die langjährige, wirksame gemeinnützige Tätigkeit zugunsten der Einwohner
der Stadt Sovjetsk, für seinen großen persönlichen Beitrag zum Aufbau
und zur Entwicklung der  partnerschaftlichen Beziehungen zwischen den Städten
Sovjetsk und Kiel (Deutschland), wird dem aus Tilsit stammenden
Vorsitzenden der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V. in Kiel, Herrn Horst Mertineit,
der Titel „Ehrenbürger der Stadt Sovjetsk“ verliehen.“

(Textquelle: Russisches Ehrenbuch „Ehrenbürger der Stadt Sovjetsk“:
https://depsov.ru/gorod/kniga_pocheta/pochetnye-grazhdane/,

exzerpiert und übersetzt  Guenter.H.Hertel_IBH@web.de)

Prof. Günter H. Hertel, Mitglied der Stadtvertretung der Stadtgemeinschaft Tilsit e.V.

(Der Beitrag ist die erweiterte Fassung zum 100ten Geburtstag Horst Mertineits
in der PAZ Ausgabe 36/19 vom 06.09.19 auf S. 17)

Hans Dzieran wurde 90Dzieran 90
Ein Tilsiter Urgestein, so möchte man sagen, wird neunzig Jahre alt. Hans Dzieran ist nicht nur Tilsiter, in den letzten Jahren war er der Tilsiter, der als Sprecher und Ansprechpartner für seine Tilsiter und deren Belange und Sorgen immer zur Verfügung stand. Auch wenn das Alter inzwischen seinen Tribut fordert, ist er nach wie vor als Ehrenvorsitzender und Vorstand der Stadtgemeinschaft Tilsit unermüdlich tätig, nutzt seine umfangreichen Verbindungen und grenzüberschreitenden Kontakte zur Patenstadt Kiel  und nach Sovetsk, dem heutigen Tilsit, um die Erinnerung an die Stadt und das wunderschöne Ostpreußen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.
Hans Dzieran wurde am 15. Juni 1929 als Sohn eines Zollbeamten geboren und mit Memelwasser getauft. Tilsit und das Land am Memelstrom prägte seine Kindheit und Jugend. Seine Liebe zu Stadt und Land ließ ihn seine ostpreußische Heimat nie vergessen. Der Besuch des Realgymnasiums zu Tilsit verschaffte ihm das Rüstzeug für seinen späteren beruflichen Werdegang.
Nach Kriegsende fand sich seine Familie im sächsischen Erzgebirge wieder. Nach bestandenem Abitur war er lange Jahre im Uranerzbergbau dienstverpflichtet. Erst mit 23 Jahren konnte er sein Studium aufnehmen und Betriebswirtschaft und Ingenieurökonomik des Bergbaus studieren und mit dem Diplom abschließen. Postgradual machte er noch das Staatsexamen als Dolmetscher und Übersetzer für Russisch. Sein berufliches Schaffen verband sich viele Jahre mit der montanwissenschaftlichen Forschung.
1990 ging er in den Ruhestand und fand jetzt Zeit, sich einer Aufgabe zu widmen, der seit jeher seine Liebe galt, nämlich seiner ostpreußischen Heimat. Er organisierte das erste Ostpreußentreffen in Chemnitz mit mehr als 1200 Landsleuten, war Mitgründer der Kreisgruppe Chemnitz und der Landesgruppe Sachsen der Landsmannschaft Ostpreußen, wo er lange Jahre Mitglied im Landesvorstand war.
Mehr als dreißig Mal begleitete er Reisegruppen nach Ostpreußen und machte sie mit der 700jährigen preußisch-deutschen Geschichte bekannt. Bei vielfältigen Begegnungen mit den heutigen Bewohnern knüpfte er Kontakte zu Vertretern kommunaler und kultureller Einrichtungen seiner Vaterstadt. Stets vertrat er sachkundig und unbeirrbar eine wahrhafte Geschichtsdarstellung als Grundlage aufrichtiger und gutnachbarschaftlicher Beziehungen.

Eine echte Heimstatt fand Hans Dzieran in der Stadtgemeinschaft Tilsit und in der Schulgemeinschaft Realgymnasium Tilsit. Vierzehn Jahre lang leitete er die Schulgemeinschaft mit Ideenreichtum und Hingabe an die ostpreußische Heimat.
Als Schulsprecher wurde er auch Mitglied der Tilsiter Stadtvertretung, die ihn 2008 zum 2. Vorsitzenden und zwei Jahre später zu ihrem 1. Vorsitzenden wählte. In den acht Jahren, in denen er an der Spitze der Stadtgemeinschaft stand, sorgte er dafür, dass Ostpreußen im Gedächtnis der Menschen seinen festen Platz behielt.

Dzieran in Tilsit am Elch
Hans Dzieran und der Elch gehören zu Tilsit

Daneben fand er Zeit und Muße, sich als Heimatforscher und Publizist zu betätigen. Eine Reihe von Veröffentlichungen in der Preußisch Allgemeinen Zeitung oder im  halbjährlichen Rundbrief und mehrere umfangreichere Publikationen, z.B. über die Juden oder das Ende Tilsits, stammen aus seiner Feder.
Nicht zuletzt sind seiner Anregung eine Reihe von neugeschaffenen Erinnerungsstätten im heutigen Tilsit zu verdanken – so die Wiedererrichtung des Königin Luise Denkmals. wie auch mehrere Gedenksteine, die an die Gründung der Stadt vor 467 Jahren erinnern.
Sein Wirken wurde mit zahlreichen Ehrungen gewürdigt. So erhielt er für seinen Einsatz für die deutsch-russische Verständigung die Bismarck-Medaille in Gold, für die Bewahrung heimatlicher Geschichte und Kultur und deren öffentlichkeitswirksame Darstellung in Wort und Schrift den Kulturpreis der Ostpreußen-Landesgruppe Sachsen oder das Goldene Ehrenzeichen der Landsmannschaft Ostpreußen. Die Stadtgemeinschaft Tilsit ernannte ihn zum Ehrenvorsitzenden und verlieh ihm die Ehrenmedaille.
Hans Dzieran ist verheiratet und hat zwei Töchter sowie zwei Enkelkinder. Seine Frau Regina war als Dipl.-Pädagogin viele Jahrzehnte im Schuldienst tätig. Sie teilt mit ihrem Mann das gleiche Vertreibungsschicksal und begleitete ihn nach ihrer Pensionierung auf vielen Fahrten in die Heimat.
Auch in seinem hohen Alter ist Hans Dzieran als Ehrenvorsitzender mit Rat und Tat im Vorstand tätig und nutzt seine umfangreichen Verbindungen und grenzüberschreitenden Kontakte.
Vorstand und Stadtvertretung der Stadtgemeinschaft Tilsit gratulieren ihrem Jubilar zu seinem 90 Geburtstag, wünschen ihm alles Gute, vor allem zufriedenstellende Gesundheit und sind dankbar, ihn weiter an ihrer Seite zu wissen.