Neues Leben in der Tilsiter Aktien Brauerei

Ein Beitrag von Hans Dzieran

Unter russischer Verwaltung wurde das Firmengelände zum Gewerbegebiet. Eine Brotfabrik, eine Bootswerft und ein Baustoffhandel siedelten sich an. Von der Vergangenheit kündete nur der Brauereiturm aus gebrannten Backsteinen mit seiner Wetterfahne und den neugotischen Schmuckelementen. An den Eckvorsprüngen des monumentalen Turms sind Kreuze dargestellt, die in Rhomben eingeschlossen sind. Die Trommel, die die Wetterfahne trägt, ist mit bunten Klinkerriemchen verkleidet. Auf dem roten Grund sind kreisförmig um den Turm herum ornamentale Gürtel von gelber und braunvioletter Farbe gelegt. Der Bau wurde zwar zum regionalen Kulturerbe erklärt, doch dabei blieb es lange Jahre. Für eine Wiederbelebung der Brauerei fehlte es an Geld und Unternehmergeist.

Doch nun ist neues Leben in die Gemäuer eingezogen. Im Rahmen des „regionalen Programms zur Unterstützung des Unternehmertums“ baut ein junges Team unter Leitung von Rinat Sharafutdinov die Fabrik TILSITKRONE auf. Im historischen Sudhaus sind alle Vorbereitungen für den baldigen Fertigungsbeginn getroffen. Tankbehälter und Brauereiausrüstung wurden aus heimischer Produktion von einem Betrieb im Ural geliefert. Lieferverträge mit den bayerischen Lieferanten Weyermann aus Bamberg und BarthHaas aus Nürnberg sorgen für Hopfen und Malz, Hefe kommt aus Belgien. Unter dem Logo TILSITKRONE werden nach traditionellen Technologienfermentierte Getränke gebraut, vor allem das in Russland beliebte Kwas. Ursprünglich im slawischen Raum als Brotgetränk bekannt ist Kwas heute in Farbe und Geschmack mit Malzbier vergleichbar, allerdings ist Kwas nicht so süß. Er besitzt dafür einen leichten Zitronengeschmack, der an Radler erinnert. Kwas soll sehr gesund sein. Er fördert die Verdauung, ist gut für den Stoffwechsel und das Herz-Kreislaufsystem und wirkt antibakteriell.

Das Projekt, welches mit einem zinslosen Darlehen gefördert wird, sieht auch die Gestaltung eines „Kwasnaja Platz“ vor.

Modell für die Neugestaltung des Kvasnaja Platzes Modell des „Kvasnaja Ploschad“                 Foto OOO Sajan

Unter diesem Namen entstehen auf dem Firmengelände ein Freiluftrestaurant, Ladenzeilen und ein Springbrunnen. Sie sind als touristische Attraktion gedacht und warten auf Besucher, denen Betriebsbesichtigungen und Getränkeverkostungen angeboten werden. Eine Ausstellung vermittelt einen Rückblick auf die Zeit, als vor zweihundert Jahren alles begann. Die Betreiber wollen an die historische Vergangenheit der Tilsiter Braukunst anknüpfen und die Tradition der TAB in die Zukunft führen.  

Urheberrechtlicher Vermerk: 
Eine Erstveröffentlichung des Beitrags ist in gekürzter Form in der Ausgabe 6/2022 der PAZ erfolgt.

Lesen Sie den ganzen Beitrag unter – Stadtgemeinschaft Tilsit – Tilsit . Die Stadt – Industrie und Handwerk

                                                      

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