Bismarckturm in Obereisseln wird gerettet

Ein Beitrag von Bernd Polte

Geschichte des Turms
Allen Einwohnern von Ober- und Untereisseln war der Bismarckturm auf dem Signalberg ein markanter Punkt ihrer Heimat am Memelstrom. Viele Ausflügler aus Ragnit und Tilsit und dem gegenüberliegenden Memelland besuchten diesen Turm, der vom damals noch wenig bewaldeten Berg einen phantastischen Blick zu den Willkischker Höhen und die Memel bot. Der damalige Oberpräsidialrat und von 1885 – 1905 Ragniter Landrat, Graf Georg von Lambsdorff, regte 1899 für Obereisseln (heute Gorino) den Bau des Bismarckturmes an. Es sollte ein 20 Meter hoher Aussichtsturm mit Feuerschale werden. Er war nördlich von Obereisseln gelegen.  Es entstand der Bau nach dem Entwurf des Baumeisters Schaffenhausen aus Wetzlar. Bauausführend war der Ragniter Kreisbaumeister Ewermann. 1912 wurde der Bau aus Feldstein Findlingen am 17.08. unter großer Teilnahme der Bevölkerung der umliegenden Orte eingeweiht. Am Bismarckturm wurde im Dezember 1914 der durch russischen Granatbeschuss gefallene Soldat Karl Wendt bestattet. Im Jahr 1933 fand hier, der bei einem Jagdunfall verunglückte ehemalige Landrat Dr. Bernhard Penner, auf seinem Wunsch hin seine Ruhestätte.

Der Turm verfällt
Nach dem 2.Weltkrieg geriet der Turm in Vergessenheit. Die neu angesiedelte sowjetische Bevölkerung hatte keine Beziehung zu diesem historischen Baudenkmal, er geriet in Vergessenheit und verfiel zusehends. Einige Findlinge und die Granitverkleidung des massiven Steinbaus wurden herausgerissen und entwendet. Die Treppe im Inneren des Turmes wurde mit der Zeit unbegehbar und stürzte ein. Auf dem Signalberg wuchs ein hoher Wald empor und so ragte der Turm nicht mehr weithin sichtbar hervor. Erste Besucher der Heimatorte an der Memel suchten nach 1990 den Turm auf dem Obereisselner Berg. Die Wege zu ihm waren zugewachsen und kaum begehbar. Ihnen bot sich der geschilderte Eindruck. Für den Turm schien es wie für viele Baudenkmäler und Zeugen deutscher Vergangenheit keine Zukunft zu geben.

Wiederaufbau des Turms geplant
In diesen Tagen erreichte uns eine Nachricht, die Optimismus verbreitet. Der vielen Heimatfreunden bekannte Ragniter (Neman) Iwan Artjuch plant den Wiederaufbau des Turmes bis Ende 2023. Er ist Inhaber des Hotels „Anwesen eines alten Imkers“ in Bolschoje Selo (Untereisseln), der Käserei und eines Restaurants in Ragnit (Neman). Vielen Landsleuten ist er von Besuchen in der Heimat bekannt. Er setzt sich viel für die Entwicklung des Tourismus in seiner Heimat ein, so bei der Rekonstruktion des Ragniter Ordensschlosses und der Herstellung des Wanderweges von Ragnit nach Untereisseln, durch die Daubas. Das Bauwerk soll in Übereinstimmung seiner historischen Zweckbestimmung als Aussichtsturm wiederaufgebaut werden. Besucher werden den Turm kostenlos besteigen können. Es ist auch für uns ein schöner Lichtblick in dieser schweren Zeit deutsch-russischer Beziehungen.

Möge Herrn Artjuch dieses Projekt gelingen und den heutigen Bewohnern ein Stück deutscher Geschichte erhalten bleiben. Freuen wir uns darauf, bei künftigen Besuchen in der Heimat „unseren Bismarckturm“ in alter Schönheit wiederzusehen.

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